Eiweiß, Vitamine

Arzt-Patienten-Information

(verfasser Priv.-Doz. Dr. med. Ansgar Röhrborn, Chefarzt Chirurgie & Visceralchirurgie, Leiter Adipositaszentrum)

Liebe Patientinnen und Patienten,

in den letzten Monaten hat die Zahl der Adipositas-Operationen in unserem Zentrum deutlich zugenommen. Leider hat dies auch Probleme mit sich gebracht. Wir haben nun mehrere Patienten erlebt, die die Hinweise zur Eiweiß-, Vitamin- und Spurenelement-Ergänzung zur Nahrung nicht ernst genug genommen haben.

Dies hat in einigen Fällen zu Vitaminmangelzuständen mit klinischer Behandlungsbedürfgtigkeit (Verwirrtheit, Bewegungsstörungen), in anderen Fällen zu schwerem Muskelabbau mit Konsequenz der Bewegungsunfähigkeit geführt.

Solche Zwischenfälle sind komplett von den Patienten selbst herbeigeführt und völlig vermeidbar. Es ist dazu aber von größter Wichtigkeit, dass die operierten Patienten sich an unsere Ratschläge halten und die empfohlenen Substanzen nicht nach Ratschlägen aus dem Internet oder der Apotheke ersetzen. Der Apotheker hat bestenfalls mal von einem Magenbypass gehört, aber er weiß sicher nicht, welches Vitamin an welcher Stelle im Darm aufgenommen wird. Er oder ein Internist oder Hausarzt könnte die Konstruktion eines Magenbypass nicht skizzieren, wieviel weniger soll er beraten können.

Patienten mit Schlauchmagen haben eine normale Passage der Nahrung durch den Darm. Deshalb kann auch alles Aufgenommene ins Blut übergehen. Kritisch ist nur Vitamin B12, das einen Transporter braucht, der im Schlauchmagen nicht mehr ausreichend gebildet wird. Dennoch soll wegen der kleinen Portionen im ersten Jahr die komplette Nahrungsergänzung eingenommen werden; später nur noch B12.

Patienten mit Magenbypass müssen ergänzen, weil der Teil des Darmes, der für die Aufnahme von Eiweiß und vieler Vitamine und Spurenelemente gedacht ist, nicht mehr funktioniert. Der Rest des Darmes kann das auch, aber nicht so gut, deshalb braucht er ein höheres Angebot.

Beim Eiweiß verhält es sich so, dass man anfangs nicht merkt, wenn man zu wenig erhält. Man bemerkt erst etwas, wenn schon ein Fünftel der Muskulatur als Eiweißquelle abgebaut ist. Dann wird es sehr schwierig, das wiederherzustellen. Der Körper braucht das Eiweiß für die Funktion aller Organe. Er baut daher den vergleichsweise unwichtigen Muskel ab, um die lebenswichtigen Funktionen von Leber, Niere Darm usw. zu erhalten.

Der Bypass-Patient braucht die Substitution lebenslang. Möglcherweise kann man im Laufe der Jahre einiges reduzieren. Dies aber nur im Kontakt mit dem Arzt, der die Blutspiegel bestimmt.

Merke: Es ist besser zum Arzt zu gehen, um den Vitaminspiegel zu bestimmen, als um den Diabetes einzustellen.

Daher gilt folgende Substitutionsregel grundsätzlich zusätzlich zur aufgenommenen Nahrung:

Eiweiß                                                 50-60 g

Multivitamin                                     1 Tablette, Granulatbeutel oder Äquivalent

Vitamin D                                           1000 Einheiten

Vitamin B1                                         1,5 mg /Tag

Vitamin 12                                         3000 E im Vierteljahr injiziert

(unter Umständen auch Tabletten der Firma „ Fit form me“)

Folsäure                                             400 mg

Eisen                                                    100 mg (funktioniert relativ gut mit „Kräuterblut“)

Calcium                                               2 g

Zink und Selen                                 1 Drogeriemarkttablette

Wichtig: Eisen, Calcium, Zink und Selen dürfen nicht gleichzeitig genommen werden, weil sie alle um denselben Transportmechanismus im Darm konkurrieren, und sonst wegen der großen Calciummenge keine anderen Substanzen aufgenommen werden können.

Postoperative regelmäßige weitere Betreuung durch das Adipositaszentrum und durch den Ernährungsmediziner ist die Voraussetzung für den Gesundheitserhalt.

Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen

Dr. med. Ansgar Röhrborn

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